Liebe Welpenkäuferin, lieber Welpenkäufer,

Sie übernehmen von uns einen Welpen, den wir mit viel Liebe und großem Engagement unter Aufsicht durch den SSV aufgezogen haben.
Wie der Hund sich weiter entwickelt, hängt nun weitgehend von Ihnen ab.
 

Sie haben ein Hundebaby bei sich aufgenommen. Überfordern Sie es in den ersten Monaten bitte nicht !!

Nachfolgend möchten wir Ihnen einige Tipps aus unserer Erfahrung mit Berner Sennenhunden geben.

Schlafen
Welpen brauchen für ihre Entwicklung viel Schlaf - bei dem sie nicht gestört und gestreichelt werden sollten - und in den Wachphasen viel Zuwendung. Bieten Sie dem Welpen ein warmes Lager an. Ob er es ausnutzt oder lieber auf dem Steinboden liegt, wird der Welpe entscheiden. 

Ausgänge
Größere Spaziergänge sind nicht angebracht; besser sind mehrere von kurzer Dauer (anfangs 5 bis 10 Minuten). Springen und Treppensteigen ist während der Wachstumsphase absolut tabu, notfalls müssen Sie Ihren Hund tragen. Falls Sie in Ihrer Wohnung glatte Böden haben, legen Sie vorübergehend rutschhemmende Matten oder Teppiche aus. Falls der Hund beim Spaziergang nass geworden ist, sollten Sie ihn vorsichtig frottieren und an eine warme, zugluftfreie Stelle bringen.

Haltung
Der Berner liebt und braucht die Nähe von Menschen. Sinnvoll ist es, wenn seine zukünftigen Bezugspersonen in den ersten Wochen ständig für den Welpen präsent sind (u.U. Urlaub nehmen). Deshalb ist Zwingerhaltung oder auch nur die nächtliche Unterbringung außerhalb des Wohnbereiches die „Garantie“ dafür, dass der Berner all seine liebenswerten Eigenschaften erfahrungsgemäß nicht entwickeln wird.

Erziehung
Berner Sennenhunde vertragen keine Schläge !!! Falls notwendig, können Sie den Hund vorsichtig am Nackenfell fassen und leicht schütteln. Normalerweise wird eine energische Ansprache aber genügen, um Ihrem Hund deutlich zu machen, dass er etwas Unerwünschtes getan hat. Stupsen Sie Ihren Hund auch nicht mit der Nase in das „Malheur“, wenn SIE nicht aufgepasst haben und ein Bächlein in die Wohnung geflossen ist. Nach dem Schlafen, intensivem Spielen oder Fressen bzw. wenn der Welpe mit tiefer Nase über den Boden läuft, ist es meistens soweit. Bringen Sie den Welpen zum vorgesehenen Löseplatz, loben ihn nach verrichtetem Geschäft überschwänglich, und er wird diese Lektion schnell begreifen.

Versorgung
Ihr Welpe wurde von uns viermal entwurmt und in der 8. Woche gegen Parvovirose, Staupe, Hepatitis, Leptospirose und Zwingerhusten (Parainfluenza) geimpft. Diese Impfung muss in der 12. Woche wiederholt werden und achten Sie bitte darauf, dass nicht unnötig mehr geimpft wird!. Wir empfehlen, gegen Tollwut frühestens nach dem Zahnwechsel zu impfen. Achten Sie darauf, dass der Tierarzt den Hund vor der Impfung gründlich untersucht. Bringen Sie den Welpen im Wartezimmer nicht unnötig mit anderen Tieren zusammen; sie könnten ansteckende Krankheiten haben. Wiederholungsimpfungen für Tollwut stehen dann im Dreijahresabstand an.

Ihr Hund wurde bei uns bereits viermal mit unterschiedlichen Wurmmitteln entwurmt. Wir empfehlen noch eine Wurmkur mit einem halben Jahr. Danach sollten Sie den Kot / Kotproben Ihres Hundes im halbjährlichen Abstand über 3 Tage sammeln und anschließend beim Tierarzt untersuchen lassen. Nur wenn der Hund verwurmt ist, führen wir Wurmkuren durch. Dabei hat sich ein Wechsel des Wurmmittels von einer Kur zur anderen als zweckmäßig erwiesen.

Achten Sie bitte auf Zeckenbefall !  Zecken sind verantwortlich für schwere Erkrankungen, z.B. Borreliose und Anaplasmose. Leider verbreitet sich inzwischen die Auwaldzecke, die als Überträger der Babesiose gilt, auch in Deutschland. Mittlerweile sind diese Parasiten nahezu das ganze Jahr über aktiv. Bitte betäuben Sie die Zecken nicht mit Öl etc., sondern ziehen Sie sie umgehend mit einer Zeckenzange (beim Tierarzt und / oder im Tierfachhandel erhältlich) vollständig heraus. Vermeiden Sie es, die Zecke dabei zu quetschen ! Der Einstich sollte mit einer desinfizierenden Salbe oder Tinktur (z.B. Betaisadonna) versorgt werden. Bei starker Zeckenaktivität raten wir dazu, Abwehrmittel zu verwenden.

Die Ohren sollten regelmäßig  gereinigt werden. Verwenden Sie dabei am besten eine Ohrreinigungslösung (z.B. EPIOTIC o.ä., beim Tierarzt erhältlich), die lt. Gebrauchsanweisung ins Ohr verbracht und bei zugedrückter Ohrmuschel durchmassiert wird. Das gelöste Ohrschmalz schüttelt der Hund von selbst aus. Man kann ggf. mit einem weichen Watte- Pad die äußere Ohrmuschel auswischen. Bitte vermeiden Sie die Verwendung von Wattestäbchen, da damit nur das Ohrschmalz im Gehörgang zusammengestopft wird.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Welpen Ohrmilben bekommen. Leider können wir nicht prophylaktisch dagegen vorgehen, weil diese Medikamente nur gegen entwickelte Milben wirken. Bei auffälligem Ohrenkratzen bzw. Kopfschütteln sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen. Bitte setzen Sie das verordnete Mittel nicht zu früh ab.

Sollten Sie selbst eine Infektionskrankheit haben (Grippe, Mandelentzündung etc.), vermeiden Sie bitte ebenfalls einen zu engen Kontakt zum Hund (Ansteckungsgefahr!).

Bitte bringen Sie den Welpen erst nach dem Wirksamwerden des Impfschutzes mit fremden Hunden zusammen (dann aber intensiv !!). Es genügt nicht, wenn Sie dem Hund nur einen großen Garten zum Auslauf zur Verfügung stellen. Er will durch seine Leute „bewegt“ werden und etwas mit Ihnen erleben. Sie müssen deshalb mit dem erwachsenen Hund (ab ca. 12. Lebensmonat) bei jedem Wetter z.B. morgens und nachmittags ausgiebig laufen. In der Sommerhitze, die dem Berner mächtig zu schaffen macht, werden die Spaziergänge auf den frühen Morgen bzw. Abend verlegt. Wenn Sie eine „Wasserratte“ haben, lindert auch ein Bad im See die Hitzewirkung.

Futter
Füttern Sie Ihren Hund ausgewogen, mästen Sie ihn aber nicht. Alle Futtersorten mit mehr als 30% Rohprotein sind für Sennenhundewelpen ungeeignet. Sie erhalten von uns eine Mehrtagesration des gewohnten Futters und einen Futterplan für die nächsten Wochen. Bitte beachten Sie, dass die diversen «Leckerchen» zum Teil über 50 % Rohprotein und viel Fett enthalten!  Die Größe und das Volumen des ausgewachsenen Hundes sind ausschließlich genetisch vorbestimmt. Mit der Fütterung bestimmen Sie lediglich, wie schnell der Hund diese Werte erreicht. Normalerweise soll ein Berner Sennenhund erst mit eineinhalb Jahren ausgewachsen sein. Wenn Sie den Hund zu stark (Menge und / oder Proteingehalt!) füttern, werden Massezunahme und Skelettentwicklung nicht im Einklang stehen. Bänder- und Gelenkschäden sind so vorprogrammiert. Moderne hochwertige Trocken- oder Nassfutter enthalten heute alles, was der Hund braucht. Die regelmäßige Beigabe von Kalkpräparaten und Lebertran wird deshalb eher schaden als nützen.

Wir ernähren unsere Hunde überwiegend mit rohem Futter, dessen Herkunft für uns nachvollziehbar ist. Das nennt man biologische artgerechte Rohfütterung (B.A.R.F.), unsere Hunde werden also gebarft. Nach unserer Beobachtung werden die Hunde dadurch vitaler und krankheitsresistenter. Der Aufwand der Zutatenbeschaffung ist mittlerweile kaum höher als bei der Beschaffung von Fertigfutter. Die Welpen wurden bei uns während der Aufzucht bereits teilweise roh ernährt.

 Mittlerweile gibt es hochwertige Futter kleinerer Hersteller, die durchaus eine Alternative zur Rohfütterung sein können. Man muss nur etwas suchen.

Die alte Weisheit: „Ein Hund muss sich groß hungern“, sollten Sie im Interesse der Gesundheit Ihres Hundes sehr ernst, aber nicht unbedingt wörtlich nehmen. Erfahrene Züchter äußern die Meinung, dass das Auftreten von Hüftgelenkdysplasie (HD) bzw. Ellenbogendysplasie (ED) neben der genetischen Veranlagung zu einem hohen Anteil durch die Aufzucht und Haltung der Junghunde beeinflusst wird. Durch sorgfältige Auswahl der geeigneten Zuchttiere haben wir versucht, eine genetische Veranlagung zur HD bzw. ED gering zu halten. Es liegt nun in Ihrer Verantwortung, Ihren Teil zur gesunden Haltung beizutragen.

Auch beim erwachsenen Hund sollten Sie das Fressen auf zwei Mahlzeiten verteilen. Wenn Sie dafür sorgen, dass der erwachsene Hund nach dem Fressen ca. eine Stunde lang nicht herumtobt, wird die Gefahr lebensbedrohlicher Magendrehungen gering sein. Hinweis: Welpen spielen nach dem Fressen! Das ist ein Zeichen dafür, dass die Futtermenge ausreichend war. Wenn sich der Welpe gleich nach dem Fressen zur Ruhe legt, war die Futtermenge zu hoch !

Einen Futterwechsel sollten Sie nur allmählich vornehmen. Achten Sie auf die Kotbeschaffenheit. Er sollte fest, mindestens aber geformt sein. Ist er sehr breiig oder gar dünnflüssig, liegt in der Regel ein Fütterungsfehler vor. Versuchen Sie, durch entsprechende Futterzusammenstellung den Kot wieder fest zu bekommen. Ein gutes Hilfsmittel ist in diesem Zusammenhang OLEWO. Dabei handelt es sich um Möhren- Pellets, die man nach Gebrauchsanweisung auf der Verpackung behandelt und mit einem Tröpfchen Öl (nicht bei Durchfall !) in kleinen Portionen unters Futter mischt. Ggf. hilft es, den Hund einen Tag hungern zu lassen (beim jungen Welpen ist das problematisch !) und dann mit einer Diät aus gekochtem Reis und Hüttenkäse, später Hühnerfleisch, fortzufahren. Bei länger (mehr als 1-2 Tage) anhaltenden Stuhlproblemen gehen Sie bitte mit Ihrem Hund zum Tierarzt.

Training
Berner Sennenhunde sind lernbegierig und wollen kleine Aufgaben gerne übernehmen (Unsere Anja trug z.B. liebend gerne eine kleine Einkaufstasche oder eine Tüte mit Brötchen vom Geschäft nach Hause / Femke bewacht gerne irgendwelche Sachen). Fangen Sie früh an zu üben, aber üben Sie dosiert und immer spielerisch. Wir empfehlen stets, schon mit Ihrem Welpen eine gute Hundeschule zu besuchen (Welpenkurs). Stachelhalsbänder u. ä. sind für die Erziehung absolut tabu ! Geduld reicht vollkommen aus. Agility und ähnliches Training ist erst mit dem ausgewachsenen Hund sinnvoll und vertretbar.

In eigener Sache
Wenn Sie noch wenig Hundeerfahrung haben, wenden Sie sich bei Unregelmäßigkeiten und Problemen jedweder Art mit Ihrem Hund ohne Zögern an uns. "Pröbeln" Sie bei Gesundheits- oder Aufzuchtstörungen bitte nicht zulange herum, sondern holen Sie fachmännischen Rat ein (Tierarzt, Züchter, SSV- Funktionäre). Auf Ihren Spaziergängen werden Sie viele Hundefreunde kennen lernen. Nutzen Sie die Gelegenheit und tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus. Nehmen Sie die Gelegenheit wahr, wenn Spaziergänge mit anderen Sennenhunden vom SSV angeboten werden. Terminankündigungen finden Sie in der Zeitschrift "Unser Rassehund (UR)" und auf den SSV- Internetseiten. So erhalten Sie in kurzer Zeit alle notwendigen Informationen über Berner Sennenhunde.

Wir empfehlen die Mitgliedschaft im SSV .Der Vorteil dieser Mitgliedschaft besteht darin, dass Sie damit gleichzeitig monatlich die Verbandszeitschrift „Unser Rassehund“ (UR), in der sämtliche Rassen des VDH vertreten sind, und vierteljährlich den "SSV- Kurier" erhalten. Beide Unterlagen sind ausgezeichnete Informationsquellen zu allen Aktivitäten und Themen rund um den Berner Sennenhund.

Weiterhin haben wir im Kaufvertrag die HD-Röntgenuntersuchung Ihres Welpen vereinbart, die im Alter von 12 bis 15 Monaten erfolgen sollte. Das dient uns zur Optimierung unserer Zuchtverhältnisse und Ihnen zur Beurteilung der Belastbarkeit Ihres Hundes. Die Gebühren für die Auswertung der Röntgenaufnahmen Ihres Tierarztes durch den SSV-Gutachter sind bereits von uns übernommen worden. Bitte informieren Sie uns über das Ergebnis der Röntgenauswertung.

Nun wünschen wir Ihnen viele gemeinsame und gesunde Jahre mit Ihrem Berner, zur Freude für Mensch und Tier. Wir würden uns freuen, wenn wir ab und an etwas von „unserem“ Hund hören oder Sie gelegentlich besuchen dürften. Außerdem führen wir einmal im Jahr unser "Welpentreffen" durch; hierzu laden wir Sie bereits jetzt recht herzlich ein.

Bei Problemen und Frage jedweder Art können Sie sich jederzeit (!!!) an uns wenden.

Wir laden Sie herzlich ein, uns und die Mutter Ihres Hundes mit Ihrem Hund zu besuchen.

Stand: Juni 2015

 

 

 

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